„Achern Miteinander“ hofft auf Unterstützung der Stadt

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Bei den T-Shirts: Zwei junge Ukrainer sind mit einer Ehrenamtlichen aus Offenburg in die Acherner Kleiderkammer gekommen. Foto: Stefanie Prinz

Achern. Die Helfer im ehemaligen Acherner Josefshaus haben wortwörtlich alle Hände voll zu tun: Seit fast drei Monaten bieten sie neben Geschirrladen, Fahrradwerkstatt und Möbellager auch eine Kleiderkammer und Spiele für Kinder. „Die Resonanz ist sehr gut, so ein Angebot hat offenbar gefehlt“, sagt Monika Huber, Vorsitzende des Vereins „Achern miteinander“. Trotz des Ansturms an Kunden bekämen die Ehrenamtlichen die Arbeit gut bewältigt – so schwierig wie in der Acherner Tafel, die deshalb keine neuen Kunden mehr annehmen kann, sei es nicht. Ohnehin beschäftigt die Helfer gerade ein anderes Thema mehr: Wie geht es mit den Angeboten hier überhaupt weiter?

Wir haben auch eine Lotsenfunktion. Monika Huber

Vorsitzende von „Achern miteinander“

Seit sieben Jahren komme der Verein in dem Haus unter, das der Familie von Philipp Schäfer gehört, sagt Monika Huber, und zwar kostenlos. „Nach einer so langen Zeit ist das eigentlich nicht mehr richtig.“ Demnächst soll sich klären, ob die Angebote der insgesamt 40 bis 50 Aktiven langfristig in dem Gebäude an der Kronengasse bleiben können und wie dann Miete oder Nebenkosten abgerechnet werden. Zudem soll es bei einem Gesprächstermin im Herbst darum gehen, wie die Stadt Achern den Verein unterstützen könnte – das sei bisher kaum der Fall gewesen. Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) besuchte die Einrichtung kürzlich zum ersten Mal seit der Eröffnung von Kleider- und Spielebox. „Wir haben ihn anscheinend damit beeindruckt, was wir hier alles machen“, ist sich Werner Cartus sicher, der stellvertretende Vorsitzende.

In der Kleiderkammer sitzt derweil Helferin Petra Münch an einem Tisch neben dem Eingang und schaut sich den Personalausweis eines jungen Kunden an. Namen werden beim ersten Besuch notiert, eine Art Kontrolle, mit der Zeit kennt man die Nutzer. „Man merkt, dass Leute kommen, die das Angebot auch brauchen“, sagt sie. Vor einem Regal greifen zwei Jugendliche zielsicher zu den T-Shirts mit bunten Aufdrucken. Die Jungen stammen aus der Ukraine und sind mit einer Ehrenamtlichen aus Offenburg hergekommen, die im Laden Spenden abgegeben hat, jetzt stöbern sie durch die Kleidung.

Eine erste Grundausstattung gibt es umsonst, alles Weitere für kleines Geld, erklärt Monika Huber. Gespendetes wird nebenan sortiert und gelagert, ebenso schon die Winterware, daneben Müllsäcke mit Kleidung, die nicht mehr tragbar ist oder schlecht nachgefragte Größen. Ein Zimmer weiter warten vor allem Plüschtiere, aber auch andere Spielzeuge auf Abnehmer. Geplant ist unter anderem auch, ein Spielzimmer für die Unterkunft in der Morezstraße einzurichten.

Mit der Resonanz seit der Eröffnung der neuen Bereiche ist der Verein zufrieden, insgesamt 30 bis 50 Kunden kommen pro Tag zum Josefshaus. Das Klientel sei gemischt, Geflüchtete, Einheimische, derzeit natürlich viele Ukrainer. Ukrainische Frauen stehen an diesem Tag auch in der Warteschlange vor dem Geschirrladen nebenan, drinnen schaut sich eine junge Afghanin gerade bei den Tassen und Gläsern um. Im Hof hilft Konrad Hasel einer Frau bei der Probefahrt mit einem dreirädrigen Gefährt: Gar nicht so leicht. „Sie müsste eigentlich erst besser fahren üben“, meint er, bevor er wieder in die Fahrradwerkstatt eilt. An Fahrrädern mangelt es hier nicht, der Keller steht voll: „Wir profitieren auch davon, dass so viele Leute aufs E-Bike umsteigen“, sagt Werner Cartus.

Die Worte sprudeln förmlich aus den Helfern heraus, wenn sie über ihre Arbeit sprechen, sagen aber auch, dass sie auf ihre eigenen Grenzen achten müssen. „Wir haben auch eine Lotsenfunktion und vermitteln die Menschen an die Wohlfahrtsverbände oder andere Geflüchtete“, sagt Monika Huber. „Es ist oft so, dass die Leute erst wegen materieller Dinge zu uns kommen. Dann kommen irgendwann weitere Fragen auf, die sie an uns herantragen.“ So auch heute: Ein junger Afghane wartet vor der Tür und will mit Huber sprechen. Er bekommt plötzlich keine Sozialleistungen mehr und weiß nicht weiter, sie wird mit der Sachbearbeiterin sprechen. Auch, um mit Anliegen wie diesem besser umgehen zu können, wünscht sich der Verein, wie berichtet, langfristig ein Begegnungszentrum mit einem Café als Zentrum, etwas mehr Platz und einen hauptamtlichen Mitarbeiter. Ebenso seien weitere Helfer immer gesucht. Interessenten dafür gebe es auch unter den Migranten, die schon länger hier leben.

Service

Geschirrladen: Mittwoch 15 bis 17 Uhr, Kleiderbox: Dienstag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr, Fahrradwerkstatt: Mittwoch und Freitag 15 bis 18 Uhr, Spielebox: Dienstag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr, Möbellager (Fautenbacher Straße 24): Donnerstag 17 bis 18 Uhr.

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